Cover-DGAZ  AB 31.10.2019 erhhältlich

Immer mehr Unternehmen entlassen ihre Angestellten: Viele von ihnen werden nie wieder einen Job finden. E-Autos kommen nicht auf die Straße – weil uns die Infrastruktur fehlt. Doch statt über Strukturprobleme reden wir nur über das Klima: Diese Debatte ist eine gefährliche Blase der Großstädte.

Alle reden über das Klima und die Jugend geht auf die Straße. Doch keiner spricht über das Wirtschaftsklima. Niemand geht gegen die vollkommen irrsinnige Notenbankpolitik der Europäischen Zentralbank auf die Straße, die Zombieländer und schwach aufgestellte Unternehmen um jeden Preis am Leben hält.

  • Warum demonstriert niemand dagegen, dass dem deutschen Sparer nachweislich 648 Milliarden Euro an Zinsen entgangen sind?
  • Warum demonstriert niemand dagegen, dass mittlerweile 25 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland im Niedriglohnsektor tätig sind und folglich gegen die kommende Altersarmut?
  • Warum demonstriert niemand dagegen, dass wir mit die höchste Steuer– und Abgabenlast weltweit haben?

Stattdessen: Einerseits werden weitere Erhöhungen der Abgaben für uns Bürger gefordert, anderseits spricht aber keiner von Steuersenkungen.

Rezession kommt – und zwar knallhart

Unser Land steht vor einer wesentlich gewaltigeren Krise, die offenkundig niemand erkennt beziehungsweise wahrhaben möchte: Rezession. Die fetten Jahre des Exportweltmeisters Deutschland sind endgültig vorbei. Der saisonbereinigte und reale Auftragseingang der deutschen Industrie sank im Mai 2019 um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat! Es geht im Vergleich zum Vorjahresmonat den zehnten Monat in Folge abwärts!

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Erste Unternehmen kündigen Entlassungen an und viele werden folgen. Die Deutsche Bank wird 18.000 Stellen abbauen, BASF 6000. Auch Bayer , Siemens und Thyssen haben bereits mit massiven Stellenstreichungen begonnen oder entsprechende Pläne angekündigt. Bei Ford sind allein in Köln 3800 Jobs betroffen.

Kurzarbeit, Abfindungen, Entlassungen, Arbeitslosigkeit und explodierende Sozialkosten werden bald die Schlagworte in den Medien sein und keiner wird mehr über Fachkräftemangel, geschweige denn von Klimawandel sprechen.

Automobilindustrie stürzt ab

Mittlerweile sieht es in Deutschlands Schlüsselindustrie rabenschwarz aus. Die PKW-Produktion sank im Juni 2019 um sage und schreibe 24,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. In den ersten sechs Monaten 2019 ist ein Minus von 12,5 Prozent zu verzeichnen. Bereits 2018 war die Produktion um 9,4 Prozent zum Vorjahr eingebrochen!

Nun sprechen alle von Elektromobilität – doch keiner hat einen Plan, wie diese in großem Stil umgesetzt werden soll. Zweifellos kann man sich in den Großstädten unseres Landes dank öffentlichen Nahverkehrs zumeist adäquat auch ohne Auto fortbewegen. Jedoch leben nicht alle Bürger in Berlin Prenzlauer Berg, sondern auch auf dem Land und dort sind die Distanzen etwas größer und es gibt zumeist keine Alternative zum Auto.

Diese Erkenntnis scheint sich jedoch in der politischen Filterblase der städtischen Ballungsräume nicht durchzusetzen. Sollte das Thema Elektromobilität genauso dilettantisch wie die so genannte Energiewende – Deutschland hat nach Dänemark die zweithöchsten Strompreise in Europa – umgesetzt werden, dann gute Nacht Deutschland.

Kampf gegen das Auto geht weiter

Dennoch geht der Kampf gegen das Automobil und insbesondere gegen große und hochpreisige Automobile, also in dem Bereich, in dem Deutschland global führend ist, unvermindert weiter. Exakt mit diesen Fahrzeugen verdienen jedoch Audi, BMW und Daimler ihr Geld – und eben nicht mit Klein- und Mittelklassewagen. Wenn wir tatsächlich unsere Fahrzeugindustrie – welche 21 Prozent unseres BIP ausmacht – weiter zerstören, dann müssen die Konsequenzen daraus jedem bewusst sein.

Ein kleiner Blick auf den Länderfinanzausgleich ist hierbei durchaus hilfreich. Im Länderfinanzausgleich sind im vergangenen Jahr Rekordsummen geflossen. Bayern zahlte mit 6,67 Milliarden Euro den bislang höchsten Betrag, gefolgt von Baden-Württemberg mit knapp 3,1 Milliarden Euro. Berlin bekam mit gut 4,4 Milliarden Euro, unter den Empfängerländern, die höchste Summe. Wie würde denn beispielsweise Berlin dastehen, und wie wäre die Stimmung im Epizentrum der realitätsfernen Politik, wenn der Geldfluss aus Baden-Württemberg und Bayern nicht mehr fließt?

Deutschland hat den Anschluss schon verpasst

Fakt ist: Der Klimawandel kommt – und zwar zuallererst in der Wirtschaft. Deutschland hat in punkto Digitalisierung den Anschluss an das 21. Jahrhundert bereits verpasst, und dies wird sich in Kürze bitter rächen. Dennoch ruht man sich auf den Lorbeeren und dem Geld aus Wirtschaftsbereichen aus, die momentan in die Knie gehen. Gleichzeitig werden weiterhin großzügig Steuergelder an die EU und den Rest der Welt verteilt.

Beispielsweise hat Deutschland allein China, ein Land, das selbst beispielsweise massiv in Afrika investiert, im Jahr 2017 mit 630 Millionen Euro „gefördert“. Jedem muss klar sein: Wir haben den Wohlstand nicht ewig gepachtet. Dennoch verspielt die Politik unseres Landes fahrlässig unseren Wohlstand auf Kosten einer pervertierten Wohlstandsdiskussion. Der kommende Klimawandel in der Konjunktur wird alle irrelevanten Scheindebatten im Keim ersticken.

Bald werden wir freitags ganz andere Demonstrationen erleben

Diese hitzigen Diskussionen, diese Hysterie erinnern an die berühmte spätrömische Dekadenz. Und sie sind ein warnendes Vorzeichen für den Absturz: Für viele, die heute demonstrieren, wird es morgen in Deutschland keine Arbeitsplätze geben.

Sobald sich das wirtschaftliche Klima gravierend ändert und immer mehr Menschen ohne Arbeit und Zukunftsperspektive auf der Straße stehen, werden wir freitags ganz andere Demonstrationen erleben. Doch dann ist es zu spät.

7 Antworten auf „Massenentlassungen statt Klimawandel: Warum wir freitags bald ganz andere Demos sehen“

  1. Herr Weik und Herr Friedrich!
    Habe meinen Vater einmal gefragt, ob er sein Geld noch auf der Bank hat, da er nichts mehr dafür bekommt. Die Antwort, große Augen und was soll ich da machen! Da sagte ich zu ihm, hole es runter. Nur ein erstaunter Blick und nichts hat er getan! Ich habe mittlerweile aufgegeben noch irgendetwas zu sagen. Nur durch Schmerz wird gelernt!

  2. Der Kommentar von asisi1 trifft genau den Kern. Es ist heute nicht so wie früher,dass man sich nicht informieren kann. Es gibt alle Informationen. Man muss nur suchen oder sich mal auf die Dinge einlassen. Aber die Menschen wollen es nicht. Sie wollen davon nichts wissen. Das musste ich anfangs erstmal verkraften. Aber das ist genau der Grund für Faschismus und mich wundert auch nichts mehr was damals in Deutschland passiert ist. Wir haben eine gleischgeschaltete Mitläufergesellschaft.

  3. Die Dinge sind nicht so einfach- der Mensch ist im Grunde ein Wesen, das seine Arbeit machen will darin sieht er seine Aufgabe – schuften- schaffen und genießen was gewachsen ist – das Wirtschaftswunder Deutschland nach 2 Kriegen geteilt in zwei Gesellschaftsordnungen . Westen Wohlstand und amerikanischen Werten „Rockenroll und Südsonne- der Osten Bollwerk gegen den kapitalistischen Feind und Solidarität für alle Völker dieser Erde und dem Weltall. Das sollte zusammen kommen – es ist der Anfang eines langsamen und unaufhaltsamen Sterbensverlauf einer gierigen Menschheit – es ist die Verachtung von Mensch sein- das Gehirn hat auf totalen Verlust und totaler Naivität geschaltet. Der Mensch – ist im Stadium der Selbstvernichtung und des Suizid angekommen. Überleben werden Andere- was verlieren wir ? Dies ist was der Mensch erwarten kann, weil er nicht die Gefahr wahr haben will und sich nicht an die Naturgesetze hält- was die Vorraussetzung ist!!!

  4. Was ein toller Beitrag, er spricht mir aus der Seele. Warum sind alle nur so dumm um das zu sehen. Keiner macht was keiner will es war haben.

  5. Ich würde mir konkrete Tipps zur Geldanlage als Vorbereitung für die Krise erhoffen, oder soll ich dafür dann euer Buch kaufen? Werde dort konkret umsetzbare Tipps enthalten sein? Oder hilft alles nichts mehr? Warum dann sich noch damit beschäftigen?

  6. Sehr geehrte Herren Weik und Friedrich,
    warum sind „Negativ-Zinsen“ schlecht? Wenn ich als Arbeitnehmer jeden Monat mein Geld überwiesen bekomme. Am Ende des Monats vielleicht 10-20% übrig bleiben, die ich sparen könnte. Mit einer negativen Verzinsung auf alle Geldvermögen, Gewinne… würde ich wesentlich weniger darunter leiden wie Vermögende, die von einer positiven Verzinsung abhängig sind um ihren Reichtum zu erhalten und zu mehren.
    Man könnte jetzt argumentieren: Wenn ich dann noch meinen Arbeitsplatz habe… aber warum sollte dieses System nicht auch funktionieren?
    Vor etwa 10 Jahren habe ich dazu von Bernd Senf ein Buch gelesen das sich auf Silvio Gesell bezogen hat. Es wurde dort allerdings nicht negativ Zins genannt. Die Stellschrauben in Richtung Geldumlauf Gebühr zu drehen scheinen mir aus meiner Sicht durchaus sinnvoll. Was würde dagegen sprechen?
    Mit freundlichen Grüßen G. Brandner

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